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„Was ich kann, können alle anderen auch!“

28. April 2011
Das Interview führt Diplom-Journalistin Angelika Volk, Berlin, März 2011.


Mit Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit dem eigenen Körper-Bauplan gerecht werden

Immer mehr Menschen interessieren sich für die CANTIENICA®-Methode. Im Einklang mit dem eigenen Körper zu bleiben, Muskeln so zu trainieren, Knochen so aufzurichten, wie es ihr ganz eigener, natürlicher Bauplan vorsieht, erscheint ihnen sinnvoll und schön. Sie erkennen, dass diese Form der Körperarbeit sie auf eine völlig neue Spur bringt. Eine Spur, der sie mit Freude folgen können, weil sie ihnen zu einem liebevollen Umgang mit sich selbst verhilft. Das ist nicht nur für jede und jeden von uns wichtig, sondern inspiriert auch Menschen, die beruflich ihrerseits Patienten begleiten. Physiotherapeuten und Heilpraktiker kommen in CANTIENICA®-Kurse. Und Hebammen. Sie sind inspiriert von CANTIENICA® – Yoga für Schwangere. Ein Buch mit diesen wunderbaren Übungen ist gerade erschienen. Dazu und zur Entstehung, Entwicklung und Wirksamkeit der CANTIENICA®-Methode das Interview mit Benita Cantieni.

Was ist das Besondere an Ihrer Methode, Frau Cantieni?

Benita Cantieni: Das Besondere ist, dass sie der Einmaligkeit jedes Menschen gerecht wird, dass sie nicht von den Defiziten des Körpers ausgeht, die vielleicht vorhanden sind oder im Laufe des Lebens erworben wurden, sondern von den Möglichkeiten, von dem, was sein könnte. Sie vermittelt, wie Sie Ihrem eigenen Körper-Bauplan gerecht werden und so Leichtigkeit, Bewegungsfreude und Schmerzfreiheit erlangen. Das geschieht, indem Sie lernen, Ihre eigenen Knochen ideal auszurichten. Dann nämlich sind auch sämtliche skeletthaltenden Muskeln aktiv und die Gelenke reaktionsbereit.

Und wie funktioniert das?

Benita Cantieni: Sehr vereinfacht erklärt: Wir stapeln vor jeder Übung zuerst die Knochen ideal über- und aufeinander. Jeder Knochen soll frei stehen, keine Gelenkfläche soll an der anderen reiben. In dieser perfekten Ausrichtung der Knochen werden automatisch alle skeletthaltenden Muskeln aktiv. Und erst jetzt wird gezielt bewegt. Dreidimensional, wie der Körper im Alltag gebraucht wird. Inzwischen gibt es über 1000 Übungen, die von den  CANTIENICA®-Instruktorinnen zu immer wieder neuen Choreographien verbunden werden. Dadurch wird das Training nie langweilig. Stetige Weiterbildung der Trainerinnen und Trainer sichert die Qualität.

Kurz gesagt, versteht sich die CANTIENICA®-Methode als Grundlage für jede Art der Bewegung. Wer den eigenen Körper so profund kennenlernt, läuft schwerelos, tanzt schwerelos, geht schwerelos. Fährt körpergerecht Ski, schwimmt körpergerecht, schläft anders als zuvor.

Warum haben Sie Ihre ganz eigene Methode entwickelt? Gab es einen speziellen Grund dafür?

Benita Cantieni: Ich entwickelte in frühester Kindheit eine Skoliose, das ist eine Fehlstellung der Wirbelsäule, eine seitliche Verkrümmung mit Verdrehung der einzelnen Wirbelkörper. Ich stellte diese Krümmung nie in Frage, genauso wenig, wie mein Umfeld. Skoliose hat man oder hat man nicht. Die Verkrümmung wurde immer schlimmer, ich wurde immer eitler, die Stöckelschuhe wurden immer höher – schließlich war ich damals Chefredakteurin von Frauenzeitschriften – die Schmerzen nahmen zu. Ich probierte alles aus, was es gab: Rolfing, Feldenkrais und Alexander-Technik, nacheinander, nebeneinander, durcheinander. Das brachte kurzfristig Linderung. Nur Linderung. Ich lernte, einigermaßen mit den Schmerzen zu leben.

1993 begegnete ich Dr. Christian Larsen, Mitbegründer der Spiraldynamik International. Er sagte den einen Satz, der mein Leben auf den Kopf stellte: „Was, wenn du die Skoliose nicht hast, sondern machst?“ Wow. Klar. Angeeignet. Ein Missverständnis. Keine Strafe Gottes.

Ich probierte die damals junge Spiraldynamik aus. Sie war mir zu theoretisch und zu passiv, etwas für Physiotherapeuten, die manuell therapierend mit anderen Menschen arbeiten. Ich wollte die Selbstheilung, wollte selbst herausfinden, wie ich ohne therapeutische Manipulation gerade werden kann.

Und daraus entstand die CANTIENICA®-Methode für Körperform & Haltung.

…mit der Sie die Selbstheilung dann geschafft haben?

Benita Cantieni: Die Skoliose habe immer noch, Wirbel und Bandscheiben wachsen bei einem über 45-jährigen Menschen nicht einfach voll nach. Doch habe ich sie durch Aufspannung begradigt. Ich lebe gerade und absolut schmerzfrei. Das Zaubermittel heißt: Muskulatur. Die Muskeln an beiden Seiten der Wirbelsäule halten mich gerade. Das Becken habe ich umgeformt, den Brustkorb auch. Schultern und Hüften sind völlig neu ausgerichtet, Arme und Beine neu verschraubt.

Das hört sich einfach an – ist es aber doch sicher nicht?

Benita Cantieni: Das war eine jahrelange, manchmal mühsame, vor allem beglückende Feinarbeit. Die wichtigsten Instrumente sind Selbstwahrnehmung, Achtsamkeit, Selbstbeobachtung. Was die CANTIENICA®-Methode vermittelt, folgt dem logischen Bauplan jedes Menschen. Während sich Ärzte und Physiotherapeuten an der Schulbuchanatomie orientieren, die nur zeigt, was es an Verkrümmungen und Fehlhaltungen alles gibt, geht es mir um das, was sein kann. Daraus entwickelte ich in fast 20 Jahren eine logische Anatomie, die jeder Mensch sofort umsetzen und am eigenen Leibe sofort spüren kann – denn sie wird seiner Einmaligkeit gerecht.

Viele Menschen haben einfach keine Lust auf Bewegung. Hat ihr Körper „vergessen“, dass es ihm besser bekommt, wenn er sich nicht immer in sitzender Position befindet?

Benita Cantieni: Er hat es nicht vergessen, denn er beschwert sich ja über kurz oder lang. Er reagiert auf diesen Mangel oft mit Steifheit, mit Schmerzen, eben mit den unterschiedlichsten Beschwerden.

Ich weiß genau, wie das ist, die Signale des Körpers zu ignorieren. Das habe ich früher ja auch getan. Inzwischen weiß ich: Wird der Körper „artgerecht“ gehalten und unterhalten, so meldet er sein Bewegungsbedürfnis so selbstverständlich, wie er Hunger, Durst, Müdigkeit signalisiert.

Wir leben immer länger. Das bringt ja bekanntlich nicht nur Freude, sondern auch Probleme mit sich. Lohnt es sich, auch in höherem Alter seine Bewegungsgewohnheiten auf die CANTIENICA®-Methode umzustellen?

Benita Cantieni: Ach, diese „Lohnt es sich“-Fragen! Es lohnt sich bis zum allerletzten Atemzug, dem Erfahrungsinstrument Körper Sorge zu tragen. Wir haben im Zürcher Studio Menschen zwischen 17 und 92 Jahren, die gemeinsam ihre Körper- und Bewegungsintelligenz trainieren. Wer damit anfängt, stellt 1000 Fragen, nur nicht die nach dem Lohnen. Die Be-Lohnung spürt er vom ersten Atemzug und ersten Knochenzug an ganz intensiv. Wenn ich wüsste, dass ich in 10 Stunden sterben müsste, ich würde sofort und intensiv trainieren, in der Überzeugung, dass ich mein Sterben anders erleben und bewältigen würde. Denn das ist es, was einen wesentlichen Effekt des Trainings ausmacht. Unser Körper reagiert auf andere, ihm gemäße Weise – und wir erleben ihn völlig anders als zuvor.

Ein wunderbares Beispiel dafür sind übrigens Schwangerschaft und Geburt. Gemeinsam mit  Andrea Tresch, Master Teacher meiner Methode und gefragte Yoga-Lehrerin, entwickelte ich CANTIENICA® in Yoga und sie setzte die kombinierte Methode gleich selbst in ihrer Schwangerschaft um. Es sei die „beste Voraussetzung für eine leichte Schwangerschaft und eine selbstbestimmte Geburt ohne Medikamente, ohne Dammriss, ohne Komplikationen“, schreibt sie begeistert. Gerade kam unser Buch CANTIENICA®-Yoga für Schwangere heraus. Auch andere werdende Mütter und ihre Babys sollen davon profitieren.

Frauen gehen anders mit den Themen Gesundheit und Krankheit um als Männer. Sie sind offenbar empfänglicher für Möglichkeiten, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Was überzeugt Männer?

Benita Cantieni: Frauen sind empfänglicher, das stimmt. Doch die Männer holen auf. Immerhin 30 Prozent der in unserem Studio Trainierenden sind inzwischen Männer. Wenn sie auf den Geschmack gekommen sind, wenn sie festgestellt haben, welche Bewegungsqualität sich aus den Übungen ergibt, arbeiten sie konzentriert und engagiert. Nicht ein großer Muskelumfang ist dann das Ziel, sondern der Muskelinhalt.

Sie sagen selbst, dass Sie Überzeugungstäterin sind. Sie möchten, dass möglichst viele Menschen sich so verhalten, dass sie wieder Freude an ihrem Körper haben. Welche Rolle spielen Bildung und Einkommen dabei?

Benita Cantieni: Wer sich mit meiner Methode beschäftigen will, kann das unabhängig von Bildung und Einkommen. Auf meiner Homepage gibt es ein kostenloses Workout, es gibt Spezialworkouts für sechs Euro, in einem kostenlosen Forum kann sich jeder, der mag, informieren. Und es gibt Bücher. Wer 20 Euro investieren will und kann, kauft sich ein Buch, eine CD oder eine DVD. Wer individuelle Anleitung sucht und mehr Geld investieren will und kann, geht in ein Studio und lässt sich coachen. Und diese Dienstleistung hat in ihren Preis, wie jede andere auch.

Jeder Mensch entscheidet selbst, wofür er sein Geld ausgibt. Wer unbeschränkt Geld zur Verfügung hat, springt schnell auf neue Trends und gibt das Geld für Unsinn aus. Hollywoodstars entdecken jeden Monat einen ultimativen Trend. Menschen, die mit ihren Ressourcen sorgfältig umgehen, entwickeln ein Gespür für Qualität. Sie springen nicht auf jeden Trend auf, sondern bleiben dabei, wenn sie spüren, dass ihnen etwas gut tut. Meine Methode entfaltet ihre Wirkung um so mehr, je länger jemand dabei bleibt. Wir machen keine „Fit im Schlaf“-Versprechen, sondern sagen ganz klar: Am Anfang ist es harte Arbeit, dann kommt die Leichtigkeit.

Heilpraktiker, Homöopathen, Akupunkteure haben Hochkonjunktur. Ist das aus Ihrer Sicht einfach eine vorübergehende Masche oder zeigt sich hier ein tiefes Bedürfnis, mehr für die eigene Gesundheit zu tun, als der Arzt es kann, aber auch, mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen?

Benita Cantieni: Heilpraktiker, Akupunkteure, Homöopathen finde ich prima. Sie stärken die Selbstheilungskräfte können Störungen im Körper ausräumen, bevor sie manifest werden. Sie gehen, wie meine Methode, auf die Frühwarnsysteme des Körpers ein, nehmen sie ernst.

Ein Beispiel: Ein Mensch hat Rückenschmerzen, geht zum Arzt, der Arzt findet nichts und verschreibt Schmerztabletten. Der Mensch geht nachhause, seine Beschwerden bleiben. Er geht nach Monaten wieder zum Arzt, der findet wieder nichts, meint nun, es sei wahrscheinlich psychisch. 65 Prozent aller Rückenschmerzen sollen ja angeblich psychischer Natur sein. Der schmerzgeplagte Mensch schämt sich, geht seiner Wege, hält die Schmerzen aus. Ein Jahr später haben sich die diffusen, angeblich grundlosen Schmerzen in einen schweren Bandscheibenschaden ausgewachsen, den der Arzt mit den bildgebenden Verfahren sehen kann. Vielleicht sagt er jetzt auch noch zum Patienten: „Wären Sie doch schon früher gekommen!“

Praktisch alle chronischen Krankheiten am Bewegungsskelett schleichen sich langsam ein, mit Schmerzen, lange bevor die Knorpel und Knochen Schaden nehmen.  Wohl dem, der die Symptome ernst nimmt und sich mit den Warnschmerzen des klugen Körpers beschäftigt. Wer oder was dann hilft, ist doch egal.

Wer immer die CANTIENICA®-Methode anwendet, der Mensch ist ja oft enthusiastisch und voller gutem Willen, wie lernt er, durchzuhalten? Gute Vorsätze halten oft im Alltag nicht lange an.

Benita Cantieni: Etwas durchhalten, was keinen Spaß macht und keinen Erfolg bringt – das kann ich auch nicht. Wie oft hörte ich: „Halten Sie durch. Denn wenn Sie nichts tun, wäre es noch schlimmer.“ Für mich bedeutet das heute nur: Es war für mich nicht das Richtige.

Meine Methode bringt mir und mittlerweile Hunderttausenden in Europa so schnell so viel an Wohlbefinden, Kraft und Beweglichkeit, dass es einfach nur eine Freude ist, weiter zu machen. Wir haben hier in Zürich Kundinnen, die kommen seit meiner allerersten Lektion im November 1992 zu mir. Befragt, weshalb, sagen sie fast durchweg: „Ich brauche es. Mein Körper will es. Ich fühle mich nach dem Training wie neugeboren. Wenn ich keine Lust habe, zu kommen, so motiviert mich das Wissen, wie ich mich nach dem Training fühle.“ So muss es sein. Die Art der Körperarbeit muss jeder, jede für sich selbst finden. Hemmungslos ausprobieren – und sofort aufhören, wenn es keinen Spaß macht, wenn es sich wie Durchhalten anfühlt, wenn es einen Schweinehund zu überwinden gibt.

Enttäuschung darüber, nicht schnell genug vorwärts zu kommen, Übungen nicht richtig ausführen zu können, führt ebenfalls zum Aufgeben. Braucht es dann jemanden, der einen wieder motiviert?

Benita Cantieni: Ungeduld ist gut! Wir sagen unseren Kundinnen und Kunden: Schon nach der ersten Lektion müssen Sie sich toll fühlen, nach der dritten Lektion Resultate im Spiegel sehen und von anderen Komplimente bekommen. Nach drei Wochen können Sie die Erfolge messen, zum Beispiel in der Körperlänge. Ich selbst habe über vier Zentimeter in der Länge zugelegt.

Meine Methode umfasst auch ein ausgeklügeltes Coaching. Wir alle – alle CANTIENICA®-Anbieter – nehmen maximal zehn Personen in eine Lektion auf. Die Stärken werden gefördert, die Herausforderungen diskret zum Verschwinden gebracht. Die Kursteilnehmer/innen werden motiviert und gelobt, die Fortschritte werden schriftlich festgehalten. Funktioniert großartig.

Trainieren Sie selbst auch in der Gruppe?

Benita Cantieni: Selten. Ich bin dann halt doch „der Boss“, meine Anwesenheit macht die Instruktorinnen nervös. So trainiere ich am liebsten für mich. Weil es in meiner Methode um die Qualität der Haltung und die Qualität der Bewegung geht, entwickle ich mich entgegen alle Annahmen, wie ein Mensch mit über 60 zu sein hat. Statt abzugeben, weniger Muskeln zu haben, weniger beweglich zu sein, nimmt meine Fitness zu und zu und zu. Ich werde immer kräftiger, mein Körper wird immer muskulöser, meine Knochen legen an Dichte zu, ich kann mit 61 mühelos alle Arten von Spagat, ich habe mehr Ausdauer als mit 20 – wenn mich das nicht motiviert, so ist mir nicht zu helfen!

Was ich kann, können alle anderen auch.

Wie lernen wir, auf unseren Körper zu achten, ihn tatsächlich wahrzunehmen – und Schmerzen, als Signale zu deuten? Wie bekommen wir ein besseres Körpergefühl?

Benita Cantieni: Durch die Arbeit mit dem Körper. Durch bewusstes Aufspannen, Entspannen, Anspannen. In dieser Disziplin ist meine Methode nicht die einzig Gute. Feldenkrais, Alexander-Technik, Franklin-Methode, guter Yoga, Eurythmie, gezielte Entspannungstechniken, Meditations- und Atem-Methoden und viele andere können helfen, den eigenen Körper wahrzunehmen, Muskeln zu unterscheiden, Knochen zu strecken, Aktivität und Entspannung bewusst einzusetzen.

Wir haben ein verqueres  Verhältnis zu Schmerzen. Zuerst ist die Abweichung vom Wohlbefinden einfach nur ein hochintelligentes Signal unseres hochintelligenten Körpers: Hey, du da, du machst etwas, was mir nicht gefällt! Hören wir auf den Schmerz, bewegen wir uns anders, sitzen oder stehen anders. Der Körper ist zufrieden. Bleiben wir bei der Fehlhaltung oder kompensieren sie mit einer neuen Verrenkung, unterdrücken den Schmerz,  indem wir auf die Zähne beißen oder Schmerztabletten nehmen, wird irgendwann ein akuter Schaden daraus, der sich dann in einen chronischen Zustand steigert.

Mit meiner Methode lernt der Trainierende den Umgang mit Schmerzen. Er lernt die Sprache des Körpers kennen und kann dann auch unterscheiden zwischen Schnellschmerz durch eine ungeschickte Bewegung, Alarmschmerz, wenn der Körper nicht mitmachen will, Entwicklungsschmerzen, wenn jahrelang Verkürztes wieder gedehnt wird,  Entzündungsschmerzen, Knochenschmerzen, Sehnenweh, Wohlweh … Wer, wie ich, eine Skoliose begradigen möchte, legt ein Schmerztagebuch an, notiert die Art der Schmerzen, das Entstehen, das Vergehen, die Dauer. Und lernt sich so sehr gut kennen. Das Ziel ist ganz klar: Schmerzfreiheit.

Schönheit ist neben Fitness ein wichtiges Motiv für viele Menschen. Doch sie glauben nicht wirklich an „Schönheit, die von innen kommt“. Was ist Ihr Schönheitsideal?

Benita Cantieni: Da darf ich Solveig Hoffmann zitieren, eine deutsche Ärztin mit einem Gesundheitszentrum auf Teneriffa. „CANTIENICA®-Körper sind entzerrt“, schreibt sie in einem neuen gemeinsamen Buch, „entzerrte Leiber sind neutral, neutrale Körper sind schön.“ Das trifft es im Kern. Ein Mensch, der mit seinem Körper eins ist, der in seinem Körper beheimatet und gut behaust ist, hat Ausstrahlung. Ein Mensch mit Ausstrahlung ist schön. Alter, Gewicht, Größe spielen da keine Rolle.

„Der neutrale Leib“ trifft mein Schönheitsideal ziemlich genau. Wenn die Knochen übereinander stehen wie Steine auf einer Skulptur, aus sich heraus „equilibrierend“, so entsteht im Körper eine Leichtigkeit, in Muskeln, Sehnen und Bändern eine Entspanntheit, die nur Schönheit erschafft, nichts anderes.

Gibt es in Ihrem Leben trotz der CANTIENICA®-Methode dennoch Wehwehchen oder Krankheiten, und wie gehen Sie in diesem Falle damit um? Wie weit hilft Ihnen Ihre mentale Einstellung insgesamt?

Benita Cantieni: Mein Körper sagt: Hunger. Ich esse. Mein Körper sagt: Durst. Ich trinke. Mein Körper sagt: Brauche Bewegung. Ich bewege mich. So. Einfach. Ist. Das.

Wehwehchen: Spannt der Nacken, entspanne ich den Nacken. Zippelt’s am Knie, gehe ich laufen. Klemme ich einen Nerv ein, so löse ich ihn wieder aus.

Erwische ich einen Virus oder ein Bakterium, so bleibe ich im Bett oder gehe zum Arzt.

Sie entwickeln Ihre Methode stetig weiter. Welche Pläne haben Sie noch?

Benita Cantieni: Gerade ist das bereits erwähnte gemeinsame Buch mit einer CANTIENICA®-Instruktorin in den Handel gekommen, „CANTIENICA® – Yoga für Schwangere“ mit Andrea Tresch. Ich hoffe, das Beispiel macht Schule: Die Gesangslehrerin, die mit der Methode arbeitet, schreibt ein Buch für Sänger/innen, die Cellistin schreibt das Buch für Cellisten, die Geigerin für Geiger, die Tänzerin für Tänzer, die Reiterin für Reiter, denn die anatomischen Prinzipien lassen sich in alles einbauen, was der Mensch mit seinem Körper macht. Überhaupt sind Förderung des Nachwuchses und Sicherung der Nachfolge wichtige Themen für mich.

Ich bin mit der bereits zitierten Ärztin Solveig Hoffmann am Grundlagenwerk zur CANTIENICA®-Anatomie. Daraus soll ein CANTIENICA®-evidenter Anatomiekurs werden. Derzeit wird auch eine Doktorarbeit zur Wirksamkeit der Methode geschrieben. Wir arbeiten an der Anerkennung als Beruf. Ich schreibe am ultimativen Rückenbuch, bereite eine neue CANTIENICA®-CD und eine DVD vor.

Die Weiterbildung der Senior Teacher zu selbstständigen Kursleiterinnen und Kursleitern nimmt ebenfalls viel Zeit in Anspruch. Bis 2012 will ich möglichst alle Ausbildungen abgeben, damit ich mich der Forschung widmen kann. Ich bin überzeugt, dass die Muskeln und ihre „innate“, die ihnen innewohnende, angeborene Intelligenz erst am Rande erforscht sind. Ich erfahre, dass der aktive aufrechte Kreuzgang und gutes Altern viel miteinander zu tun haben. Und dann habe ich ein paar Revoluzzerideen, die noch nicht spruchreif sind.

Blicken Sie nicht auf die Krankheit, freuen Sie sich auf Gesundheit!

7. März 2011
Das Interview führt Diplom-Journalistin Angelika Volk.

Der neue Weg in der Prävention: Gesundheit schützen, statt Krankheit verhindern. Was mit herkömmlicher Prävention falsch läuft und wer davon profitiert.

Benita Cantieni gibt der Prävention einen neuen Sinn. Ihr geht es darum, Gesundheit zu schützen statt – wie es gemeinhin versucht wird – Krankheit zu verhindern. Gibt es da einen Unterschied? „Es ist ein völlig anderer Denkansatz“, sagt die Körpertrainerin. „Prävention im landläufigen Sinne richtet den Blick auf Krankheit und Schmerzen. Prävention wie ich sie verstehe, richtet sich auf Wohlbefinden, die Freude an einem kräftigen Körper, seine Leistungsfähigkeit und Beweglichkeit. So verstanden kann Prävention sogar sexy sein.“

Krankheiten vorbeugen oder Gesundheit schützen – wo liegt der Unterschied, Benita Cantieni? Was ist Prävention?

Es gibt unendlich viele Definitionen von Prävention. Da sind die logischen Ansätze, bei denen es z.B. um Sicherheit am Arbeitsplatz oder um Safer Sex geht. Im Kern ist aber immer die Verhinderung von Krankheiten gemeint. Ich verfechte eine radikal andere Position. Ich will mit Prävention Gesundheit erhalten.

Es geht also um die Einstellung dazu. Beginnt Prävention in die eine oder die andere Richtung im Kopf?

Genau! Es ist auf Dauer nicht motivierend, etwas verhindern zu wollen. Den Blick fest auf die Krankheit gerichtet, ziehen wir gegen unsere Beschwerden in den Kampf – das klingt schon sauertöpfisch und negativ. Da ist es doch sehr viel fröhlicher, etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Sich zu sagen: Ich will leistungsfähig, lebensfroh, unternehmungslustig, reaktionsschnell bleiben oder werden.

Prävention heißt für mich, meine Gesundheit zu schützen, auszubauen, zu erhalten. Ich will fit sein, um meinen Alltag zu meistern, um mich wohlzufühlen. Prävention so verstanden, stärkt das Selbstvertrauen und erfasst die ganze Persönlichkeit. Wer gesund ist und etwas dafür tun will, dass es so bleibt, hat vom ersten Augenblick an so viel Nutzen, Spaß und Freude, dass er automatisch motiviert ist.

Mir gefällt daher der Ausdruck Provention besser als Prävention. Er wird vom Risikomanagement der Rückversicherungen benutzt. Ich finde, dass er auch sehr gut bezeichnet, was ich meine:  Provention will nicht Krankheit stoppen, sie will Gesundheit steigern. Mehr Kraft. Mehr Beweglichkeit. Mehr Bewegungslust. Mehr Freiheit. Mehr Spontaneität. Mehr Zuversicht. Mehr Selbstwahrnehmung. Mehr Autonomie. Der Körper ist unser bester Freund. Wer ihn kennt, der spürt, was er braucht und gibt ihm genau das.

Unter Prävention Verhinderung von Krankheit zu verstehen, greift nach meinem Verständnis viel zu kurz.

Kann es denn wirklich so falsch sein, nicht krank werden zu wollen? Ist das nicht zumindest ein Anfang?

Das ist meiner Ansicht nach so, als würden sie zum Beispiel eine Jacke schief knöpfen. Geht der erste Knopf ins falsche Knopfloch, kommen sie unten unweigerlich auch schief an. Dieser Anfang, dieser Blick auf die Verhinderung von Krankheit,  führt im Grunde immer weiter weg von dem, was wirklich gut für den Menschen ist. Das landläufige Verständnis von Prävention betrachtet einzelne Körperteile, die gekräftigt werden sollen oder auch Krankheiten, denen vorgebeugt werden soll. Es ist sozusagen eine mechanistische Betrachtungsweise.

Was ich meine, ist im Grunde eine Lebenseinstellung, die ein bestimmtes Verhalten auslöst – und zwar nicht nur für einen kurzen Zeitraum, sondern für das ganze weitere Leben.

Krankheit vermeiden ist auch mental eine ganz andere Sache als Gesundheit erhalten, das fühlt sich doch auch ganz anders an. Hurra, ich bin gesund und kann dafür sorgen, dass das so bleibt.

Die meisten von uns „erwerben“ im Laufe ihres Lebens Krankheiten und Beschwerden.

Die Beschwerden, die wir durch Fehlhaltungen und Bewegungsmangel erwerben, sind mein Thema. Wir erwerben vieles durch Verhaltensweisen. Die Folgen betrachten wir dann als unausweichlich: „Damit muss ich mich abfinden“. Das muss ich aber nicht!

Ich kann etwas für meinen Körper, für meine Gesundheit tun. Ich bin dem Alter mit seinen Beschwerden nicht ausgeliefert. Ich habe die Möglichkeit, etwas für meinen Rücken, meine Hüften, Beine und Arme zu tun. Langes, falsches Sitzen am Computer, im Auto, abends vor dem Fernseher, zu hastiges, zu fettes Essen – das sind keine positiven Aktionen und Gewohnheiten.  Jeder wird selbst spüren, wie wohl es tut, wenn sein Körper gut und ohne Beschwerden funktioniert. Mit aufgespanntem Körper, mit gesundem Rücken, durch die Welt zu gehen, ist äußerst angenehm – und sieht auch noch sehr gut aus. Warum, um Himmels Willen, tun wir dann nichts dafür? Gleich heute?

Was heißt nun „Provention“ konkret?

Für mich bedeutet das Wort: Ich tue jetzt etwas für mich und fühle mich damit wohl. Ich esse jetzt vernünftig. Ich bewege mich jetzt gut. Ich schlafe jetzt gut. Dieses Jetzt verlängert sich von selbst in die nächsten Momente, Tage, Monate, Jahre. Es schiebt – und das weiß ich aus eigener Erfahrung –  alles weit, weit weg, was uns Beschwerden macht und auch dazu führt, dass wir uns alt fühlen, weil Verschleiß unseren Bewegungsapparat hemmt. Unser Körper will Harmonie, will in seine ureigenste Balance kommen. Wir belohnen uns selbst, wenn wir lernen, auf ihn zu hören.

Es geht also um unsere ganz persönliche Entscheidung. Dabei versucht doch die Politik und versuchen auch die Krankenkassen immer wieder, uns mit Präventionsprogrammen und Präventionsgesetzen zu beglücken. Auch Ärzte sind Präventionsbefürworter. Nicht nötig, falscher Ansatz?

Prävention gehört in die Köpfe der Menschen, nicht in die Programme der Politiker und auch nicht in die Hände der Ärzte. Die Politik hat, wenn sie Prävention fordert,  im besten Falle ideologische Gründe. Wahrscheinlicher sind wirtschaftliche Absichten – ebenso wie die Medizin nach meiner Erfahrung vor allem wirtschaftliche Gründe hat. Schließlich müssen kranke Kassen saniert und Krankenhäuser, High-Tech-Geräte und Operationsabteilungen in Schuss gehalten werden. Natürlich will auch die Pharmaindustrie die Krankheit, denn kranke Menschen schlucken und zahlen alles. Und Ärzte wählen ihren Beruf, weil sie kranke Menschen behandeln wollen. Es gibt nichts Uninteressanteres für einen Arzt, als einen gesunden Menschen.

Zumindest denkt man doch, Gesundheit sollte das Ziel jeder Behandlung sein…

Das will ich den Ärzten auch gar nicht absprechen. Es geht mir nicht um Medizinerschelte. Ich fing mein Leben krank an. Schon als Kind hatte ich chronische Nierenprobleme, schweres Bronchialasthma, viele Allergien, eine chronische Darmerkrankung. Ohne moderne Medizin wäre ich nicht 40 geworden.  Ich bin dankbar, dass es diese moderne Medizin gibt.

Die regelmäßigen Untersuchungen beim Frauenarzt und beim Proktologen sind Vorsorge, Prävention durchaus im derzeit definierten Sinn. Hier unterstützt mich die Krankenkasse und ich bezahlte dafür Beiträge.

…die durch Prävention stabil gehalten werden sollen. So ist ja die offizielle These.

An solchen Leistungen sind die Gesundheitskosten ganz sicher nicht explodiert. Wenn das alles wäre, hätten wir es ja mit einem zumindest theoretisch sinnvollen und finanzierbaren System zu tun. Dass es nicht so ist, hat sicher viele Gründe. Ein Grund ist u.a., dass Leistungen als Prävention angeboten werden, die viel Geld kosten und den betroffenen Menschen oft nicht nützen, sondern ihnen sogar schaden.

Prävention als Kostentreiber?

In bestimmten Fällen sicher. In meinem beruflichen Alltag höre ich haarsträubende Geschichten von Menschen, die weder kurz- noch langfristig damit gesünder wurden. Einer Frau wurde geraten, sich „präventiv“ die gesunde Gebärmutter samt Eierstöcken entfernen zu lassen. Ein Mann ließ sich „präventiv“ ein künstliches Hüftgelenk einsetzen. Ich selbst – ja, auch ich war nicht gefeit davor – ließ mir vor Jahren „präventiv“ die Venen strippen, um im Alter keine Krampfadern zu bekommen. Der Effekt: ich hatte danach sichtbare Adern, die vorher nicht zu sehen waren. Prävention? Ja – für das Bankkonto des Arztes.

Wäre ich allen Empfehlungen der Ärzte gefolgt, hätte ich heute ein künstliches Hüftgelenk, ein künstliches Kiefergelenk, eine versteifte Lendenwirbelsäule, Nägel in den Kreuzbeingelenken und säße wahrscheinlich im Rollstuhl. Wie Sie sehen, kam es so nicht. Ich bin durch meine Lebensführung alle Krankheiten losgeworden.

Hat das keinen Arzt stutzig gemacht?

Einige würden mich eher im Vatikan als Wunder melden, als den Umstand zu akzeptieren, dass meine proventiven Maßnahmen alle Operationen überflüssig machten.

Vielen Menschen fällt es nicht leicht,  sich von alten Gewohnheiten und Verhaltensweisen zu verabschieden und Verantwortung für ihren Körper zu übernehmen. Was sagen Sie ihnen?

Es gibt eine einfach Erkenntnis: Wenn ich gesund, beweglich und kräftig sein will, braucht mein Körper eine „artgerechte“ Wartung. Er ist ein Bewegungsinstrument, also beweg‘ ihn. Und beweg‘ ihn bitte so, dass es ihm gut tut. Wer das erlebt, wird nicht mehr zu alten Gewohnheiten zurückkehren wollen.

Leider fühlen sich viele Menschen für ihre Gesundheit nicht zuständig. So, wie sie ihr Auto in die Werkstatt bringen, wenn es irgendwo klappert, bringen sie ihren Körper zum Arzt. Er wird das schon wieder richten. Wenn mir ein Kettenraucher oder einer der vielen sozialisierten Alkoholiker sagt, Gesundheit sei für ihn das höchste Gut, wenn chronische Wurst-Pommes-Esser oder bornierte No-Sports-Churchill-Verehrer mir klagen, was sie alles an Beschwerden erleiden müssen, werde ich grantig. Sie alle verhalten sich pro Krankheit. Sie geben nicht nur die Verantwortung für ihre Gesundheit ab, sondern auch die Freude daran.

Das klingt jetzt ein bisschen moralisierend…

Okay, ich bin gern ein Körpermoralist. Ich kann nicht verstehen, dass sich Menschen in Schmerzen ergeben und die Verantwortung für ihren Körper an Ärzte und Therapeuten übertragen. Für mich ist Prävention/Provention sexy. Ich bringe meinen Körper in die Verfassung, aus der er am meisten Sinnlichkeit, Unternehmenslust, Schaffenskraft schöpft. Alles, was ich unternehme, bringt mir sofort, in diesem Moment, Nutzen. Dafür ist niemand anderer verantwortlich außer mir selbst. Die Prävention, die ich meine, macht Spaß. Sie bringt mir einen vielfachen Return on Investment.

Auch die Krankenversicherungen bieten Prävention an – vor allem in der Hoffnung, mittelfristig ihren eigenen Return on Investment zu erhalten.

Ich habe nicht den Eindruck, dass die Krankenkassen mittelfristig denken und planen. Prävention ist für sie vor allem ein Marketinginstrument. Sie zahlen für viele sinnlose Aktionen und Kurse:  Rückenschulen, die krumm machen, Yogalektionen, die eigentlich eine Schande sind, ungeschütztes, im Schnellkur erlerntes Pilates, bei dem Sie gar nicht wissen, was es bewirkt, weil jeder darunter etwas anderes, zum Teil sogar gesundheitsgefährdenden Unfug, versteht. Yoga und Pilates sind leider keine geschützten Begriffe. Nicht überall, wo Yoga draufsteht, ist Yoga drin.

Irgendeinen Kurs zu absolvieren, hilft niemandem. Joggen an sich ist nicht gesund. Erst, wenn der Bewegungsablauf entsprechend der menschlichen Natur absolviert wird, nützt es und  macht Spaß. Schwimmen an sich ist ebenfalls nicht gesund. Erst die Qualität der Bewegung bringt den gesundheitsfördernden Effekt. Nordic Walking ist serielle Körperverletzung. Gymnastik und Yoga können bei falscher Anleitung mehr schaden, als nützen. Und diese Körperfeindlichkeit in der Bewegungsqualität ist leider die Norm.

Kassen müssten eigentlich Qualitätsprüfer sein. Das sind sie nicht, weil es offenbar gar nicht um die Qualität geht.

Doch auch jeder Versicherte sollte sich sagen: Fördere ich meine Gesundheit, so habe ich den vollen Nutzen. Das ist in meinem ureigensten Interesse. Es liegt daher auch in meiner Verantwortung. Wer dafür sein eigenes Geld nicht ausgeben will, ist in meinen Augen einfach nur dumm. Das ist selbstschädigende „Geiz ist geil“-Mentalität.

Mancher hat das Geld aber einfach nicht…

Eine Pizza, ein Bier in der Woche weniger, das Auto vielleicht 10.000 Kilometer weiter fahren, nicht sofort jedes neu auf den Markt kommende High-Tech-Gerät kaufen – und schon habe ich das Geld für das Abonnement ins Schwimmbad oder Fitnessstudio. Es gibt im Übrigen auch sehr viele kostenlose Bewegungsmöglichkeiten. Und kostengünstige Bücher, DVD, CD, die sagen und zeigen, wie sich gute Bewegung anfühlt, wie sie ‚gemacht’ wird.

Macht nicht die immer größer werdende Zahl älterer Menschen aus dem individuellen Streben nach einem gesunden, langen Leben eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe?

Sie können Prävention nicht vergesellschaften. Sie gehört in die Verantwortung jedes Einzelnen. Ich will möglichst gesund möglichst alt werden. Es ist meine Lebenszeit. Und es ist doch wunderbar und aufregend, diese Möglichkeit überhaupt zu haben!

Dass wir alle heute immer älter werden, wird meist unter dem Aspekt steigender Gesundheitskosten gesehen. Dabei ist das doch eine wunderbare Entwicklung. Vor 100 Jahren betrug die durchschnittliche Lebenserwartung in unseren Breitengraden gerade mal 49 Jahre. Jetzt werden wir doppelt so alt! Und wir müssen begreifen, dass wir die Wahl haben, wie wir dieses Alter erreichen und erleben möchten. Und wenn das die Mehrheit tut, ist das natürlich gut für die Gesellschaft insgesamt. Also lasst uns lustig 100 werden!

Das Schwierige, vermutlich sogar Schwierigste: Wir müssen raus aus den alten Denkmustern.

Zum Beispiel, dass Alter immer mit Krankheit verbunden ist?

Das ist ein sehr fest verankerter Glaubenssatz.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel:

Die gängige Meinung ist: Wir werden im Alter immer kleiner. Verschleiß – da kann man nichts machen.

Man kann. Ich sehe mich hier durchaus in der Rolle einer Aufklärerin. Der Körper schrumpft nicht durch das Altern. Er schrumpft durch unsachgemäßen Gebrauch. Sie werden im Alter klein, weil Sie sich nicht mehr aufspannen wie Kinder. Ziehen Sie die Knochen wieder auseinander, benutzen Sie die Tiefenmuskulatur wieder mit der Bewegungslust und -freude eines Kindes, so kommt auch die in Ihrem Bauplan vorgesehene Größe wieder voll zum Vorschein. Egal, wie alt sie sind. Alterserscheinungen wie Arthrosen, Bandscheibenschäden, Muskelatrophien rühren übrigens von diesem freiwilligen, gesamtgesellschaftlich validierten Schrumpfglaubenssatz her.

Kinder wachsen in der Schwerkraft auf. Der Widerstand der Schwerkraft macht ihre Knochen und Muskeln stark. Dann ist der Mensch erwachsen, und vom gleichen Tag an soll sich diese Wirkung umkehren? Ab diesem Moment soll die Schwerkraft uns zusammendrücken? Das entbehrt jeder Logik.

Also, Leute, ändert in Euren Köpfen die Ansicht über die Schwerkraft! Die Schwerkraft ist nicht unsere Feindin, sie ist eine der besten Freundinnen! Sie ist das Medium, das uns ausmacht. Der menschliche Körper verdankt seine Konstruktion der Schwerkraft. Knochen, Sehnen, Muskeln und der aufrechte Gang wären ohne sie nicht möglich.

Nicht jeder überlässt seine Gesundheit den Ärzten. Fitness-Studios sind voll, Wellnessurlaube und –„oasen“ boomen, in sämtlichen Parks trifft man zahlreiche Jogger. Das Bewusstsein, etwas für die eigene Gesundheit tun zu müssen, scheint doch ziemlich hoch zu sein. Oder sieht das nur so aus?

Ich mache da schon noch einen Unterschied zwischen der passiven Wellness und dem aktiven Tun! Wer sich auf eine Liege legt und massieren lässt, fühlt sich im Moment gut, mit nachhaltiger Gesundheitswahrung hat das nichts zu tun. Ein paar heiße Steine auf dem Buckel fühlen sich gut an. Nachhaltig tun sie nichts für den Bewegungsapparat oder die Gesundheit der Organe.

Wenn ein Jogger weiß, dass es weder auf den Pulsmesser noch auf die stoßgedämpften Schuhe ankommt, sondern einzig und allein darauf, wie er sich bewegt,  tut er sich natürlich etwas Gutes. Der menschliche Körper hat sich sechs Millionen Jahre lang in und für Bewegung konstruiert. Er sitzt erst seit 100 Jahren mehr, als ihm gut tut. Bewegung, gute, körpergerechte Bewegung, ist das Beste, was er für sich und seinen Körper tun kann. Für die Knochen, für die Muskeln, für die Gelenke, für die Organe, für das Rückenmark, für die Hormonproduktion, für den Stoffwechsel und auch für das Gehirn.

Teilt sich die Gesellschaft in Präventions(Gesundheits)muffel und Hyperaktive?

Die Hyperaktiven sind meist jung und ihre Motivation ist fast ausschließlich das Balzverhalten.  Frauen wollen möglichst schlank sein, Männer möglichst potent erscheinen, alle wollen schön sein und auffallen. Dann kommen das Berufsleben, die Karriere, die Familie. Ziel erreicht, aber auch die Freizeit wird knapp. Es kommen die Gelenkschmerzen, die Rückenbeschwerden. Sie reihen sich ein in das Heer derjenigen, die sich in ihr Schicksal ergeben. Sie absolvieren allenfalls das absolute Bewegungsminimum als Alibi um sagen zu können, „ich hab doch alles Menschenmögliche getan, der Rest ist Schicksal“. Die Verwandlung der Hyperaktiven in die Gesundheitsmuffel ist abgeschlossen.

Es gibt aber auch die 50jährigen Marathonläufer…

Hyperaktiv mit 50 – hier ist „Selbstüberwindung“ oft das Motiv. „Ich halte den Schmerz aus, also bin ich“. Bis die Knie und Hüften die Lendenwirbel und Schultern kaputt sind. Irgendwann ist der Schaden am Bewegungsskelett manifest. Freude? Kraft? Gesundheit? Eher das Gegenteil.

Es geht nicht um Quantität, sondern um Qualität. Die wird leider oft vernachlässigt – und das genau ist mein Thema. Die Menschen sollen nicht irgendetwas für ihre Gesundheit tun, sondern das Richtige.

Wie erkenne ich Qualität? Muss ich verschiedene Methoden ausprobieren?

Jedenfalls sollte ich nicht einfach hinnehmen, was mir Arzt oder Therapeut sagen. Der lädierte Mensch fragt ernsthaft und besten Willens: „Was kann ich tun?“ Therapeut oder Arzt sagen: „Gehen Sie schwimmen. Gehen Sie joggen, zum Yoga. Machen Sie irgendwas.“ Kein Wort darüber, wie zu schwimmen ist, wie ich einen guten Yogalehrer finde, wie ich so laufe, dass die Gelenke keinen Schaden nehmen. Der lädierte Mensch tut, was ihm geraten wird. Die Beschwerden werden mehr, nicht weniger. Erst jetzt wird er zum Gesundheitsmuffel. „Bringt ja doch nichts“.

Das wichtigste Kriterium für Qualität ist mein Körper selbst. Was mir gut tut, Freude bringt, womit ich mich stetig besser und stärker fühle, das ist richtig. Ich behaupte: Wird der Körper so behandelt, wie es seiner Natur entspricht, meldet er sein Bewegungsbedürfnis so selbstverständlich, wie er Hunger, Durst, Müdigkeit signalisiert. Also: Gib Dir einen Ruck! Werde aktiv! Just do it! Ohne Verschreibung. Ohne einen Zuschuss der Krankenkasse.

Ich habe als Außenseiterin und Quereinsteigerin eine Methode aufgebaut, die anfangs belächelt wurde und die heute kopiert wird. Ich kann daher nur sagen: Wer will, der sucht. Wer sucht, der findet. Und zwar die Methode, die passt.

Mir fällt auf, dass es hier auch einen gesellschaftlichen Wandel gibt. Die jungen Menschen sind viel weniger autoritätenhörig als beispielsweise meine Generation. Sie glauben nicht mehr einfach alles, was „der Arzt“ sagt. Sie wechseln zu einem anderen, wenn er ihr Misstrauen weckt. Auch mir sagen sie ganz klar: Das gefällt mir. Das gefällt mir nicht. Jeder hat die Möglichkeit, aus verschiedenen Methoden die für ihn passende zu wählen. Feldenkrais, Alexander-Technik, Franklin-Methode, gutes Yoga, Eurythmie, gezielte Entspannungstechniken, Meditations- und Atem-Methoden und viele andere können helfen, den eigenen Körper wahrzunehmen, Muskeln zu unterscheiden, Knochen zu strecken, Aktivität und Entspannung bewusst einzusetzen.

Wie erreiche ich Menschen, die sich für all das, was Prävention ausmacht, nicht interessieren?

Prävention ist ja noch schwer zu beweisen. Es ist schwierig, den Gesunden ohne akute Beschwerden beizubringen, dass Gesundheit, soll sie dauern, Unterhalt braucht. Dass auf Pump lebt, wer sich nicht bewegt. Oft sind es erst die Schmerzen, ist es der Leidensdruck, der Menschen zum Nachdenken bringt und sie dann motiviert, sich nach Hilfe umzusehen. Unter 20 Besuchern in unseren Studios ist dann vielleicht einer beleidigt, wenn er erfährt, dass er für die Gesundung seines Achsenskelettes selber arbeiten muss. Er möchte eine Zauberpille. Die übrigen 19 nehmen das Angebot dankbar an.

Ich habe für die Verbreitung der von mir entwickelten Methode aber auch zur List der Verführung gegriffen. Ich versprach den Menschen einerseits nicht nur Schmerzfreiheit, sondern auch Schönheit und Kraft. Die bekommen sie, wenn sie mitarbeiten.

Sie haben Ihre Methode ursprünglich für sich selbst entwickelt. Was hat sich in Ihrem Leben dadurch verändert?

Ich war ein skoliotischer Bewegungsmuffel, bevor ich meine Methode entwickelte. Ich wollte einfach in Ruhe gelassen werden. Ich ging ein bisschen schwimmen, fuhr ein bisschen Rad, bis die Knochen schmerzten. Dann hörte ich sofort auf, wartete bis der Schmerz wieder verging. Irgendwann verging er aber nicht mehr. Mit meiner Methode habe ich mir den Körper erarbeitet, den ich heute habe und den die Natur für mich vorgesehen hatte. Als ich damit begann, war ich immerhin schon 47 Jahre alt. Jetzt habe ich eine Muskulatur, die zu 100 Prozent kraftvoll und in Bewegungsbereitschaft ist. Der Körper nimmt sich die Freiheit, mir zu sagen, was er braucht. Das ist vor allem viel und regelmäßige Bewegung. Wenn er bewegt werden will, so lässt er sich weder durch Essen, durch Trinken, durch ein schönes Vollbad noch ein gutes Buch bestechen. Nur Bewegung „hilft“.  Folge ich dem „Ruf meiner Muskeln“ nicht, bekomme ich schlechte Laune, schlafe schlecht, esse zu viel, denke nicht gut. Also: Raus in die Natur, Glückshormone produzieren, Fett verbrennen, Sauerstoff tanken, lebendig fühlen.

So unterhalten, belohnt mich der Körper mit allem, was ich mir wünsche – mit Kreativität und Intuition, mit klarem Kopf und ruhig schlagendem Herzen, mit gutem Schlaf und gesundem Appetit. Mit guter Laune und ausreichend Hormonen, schönen Träumen und singenden Zellen beim Einschlafen und Aufwachen..

Erklären Sie bitte zum Schluss noch, was die CANTIENICA®-Methode beinhaltet und was sie bewirkt?

Die CANTIENICA®-Methode versteht sich als Grundlage für jede Art der Bewegung. Wer den eigenen Körper so profund kennenlernt, läuft schwerelos, tanzt schwerelos, geht schwerelos, fährt körpergerecht Ski, schwimmt körpergerecht und schläft auch anders – besser.

Vereinfacht erklärt: Wir „stapeln“ vor jeder Übung zuerst die Knochen ideal über- und aufeinander. Jeder Knochen soll frei stehen, keine Gelenkfläche soll an der anderen reiben. In dieser perfekten Ausrichtung der Knochen werden automatisch alle skeletthaltenden Muskeln aktiv. Und erst jetzt wird gezielt bewegt. Dreidimensional, wie der Körper im Alltag gebraucht wird. Damit sich der Kopf nicht langweilt, erschaffen die CANTIENICA®-Instruktorinnen aus den über 1000 Übungen mit und ohne Hilfsmittel spannende Choreographien, so dass jede CANTIENICA®-Lektion neu, überraschend und herausfordernd wird. Stetige Weiterbildung sichert die Qualität.

Die Methode wird immer umfangreicher, es gibt ein spezielles Beckenbodentraining, ein Rückenprogramm, die perfekte Anleitung für go!, ein Powerprogramm für Fitte, die noch fitter werden wollen und Faceforming, die Anleitung, der Schwerkraft auch mit der Mimikmuskulatur zu trotzen.


Die Rolex und der zeitlose Beckenboden

19. August 2010

Eine Hauseinweihungsparty. Angenehme, kultivierte Menschen. Die meisten spielen Golf. Einige privatisieren. Manche tun beides.

Weisswein, Prosecco, Wasser, Orangensaft und leckere Häppchen.

„Sie sind doch so gesund“, sagt die Gastgeberin, reich geschieden und Künstlerin. „Hier habe ich Karotten für Sie.“

Das fängt ja gut an. „Sie sind doch so gesund“, soll wohl heißen: Sie stehen im Ruf, genußfeindlich zu sein.

Ich nehme dankend das Glas mit dem kühlen Weißwein an. Und meine ein kleines Seufzen der Erleichterung zu vernehmen, so in der Art, „ach, die ist ja gar nicht so schlimm“.

Die Schachtel mit dem Orangensaft wird diskret hinter dem Sofa versteckt. War wohl für mich gedacht.

Tja, so „gesund“ denke ich schon, wenn Orangensaft, dann bitte frisch gepresst, nicht aus dem Tetrapack.

Annähern, abtasten, kennenlernen.

Und immer wieder an solchen Anlässen die Überraschung, wie wenig Menschen die gute, unvoreingenomme Frage kennen.

Wer sind Sie?

Wie kommen Sie an diesen Anlass?

Woher kennen Sie Frau X oder Herr Y?

So in der Art.

„Sie sind doch die mit diesem Fitnessstudio, das Geschäft kann doch gar nicht laufen.“ Doch, es läuft sehr gut. „Ah, Sie sind die zweimal Geschiedene!“ Oder: „Aja, Sie leben doch schon so lange allein.“ Gefolgt von „… das habe ich jedenfalls gehört.“ Noch lieber sind mir Sätze wie: „In Natura sehen Sie aber viel jünger aus.“ Gefolgt von: „Ich habe Sie nicht so grau in Erinnerung.“ Gemeint sind die grauen Haare. Mein absoluter Favorit ist: „Sie sehen aber wirklich noch gut aus für Ihr Alter.“ Betonung auf aber.

So plätschert der XS-Talk, bis eine Frau sagt: „Sie sind doch die mit dem Beckenboden. Aber ist der jetzt nicht langsam wieder out?“

Ich stopfe ein belegtes Pumpernickelchen in den Mund, wohl auch aus der Ecke für die „Gesunden“, kaue langsam und sage schliesslich: „Ist er wieder aus der Mode gekommen, der Beckenboden? Sosso.“

Ich hätte mich durchaus verschlucken können an dem Satz. Das ist so, als würde das Knie aus der Mode kommen. „In diesem Herbst haben wir das Knie nicht im Angebot, es ist aus der Mode.“ Oder das Kleinhirn. „Sie! Das hat sich im Sommer ganz schlecht verkauft. Passte einfach nicht zum neuen Grün.“ Oder das linke Auge. Wer braucht schon zwei Augen. Zu den trendy Karos passt ein einzelnes Auge viel besser.

Nein. „Der Beckenboden“ ist nicht aus der Mode gekommen. Wird auch nicht so schnell geschehen.

Im örtlichen Studio für Krafttraining wissen sie immer noch nicht, dass es ihn gibt. Jedenfalls wurde er in zwei ausführlichen Einweisungen nicht einmal erwähnt. Kein einziges Mal. Da geht es wie vor 50 Jahren um den Bizeps und den Trizeps und den Gluteus und den Pectoralis und den Quadrizeps.

In meinem Amerika-Urlaub sah ich mich bei Büchern, DVD, CD um. Yoga, Pilates, Krafttraining, Bollywood-Workouts mit bauchtanzartigem Shamble, was immer das heisst. Alle reden von Core Training, keiner meint wirklich Tiefenmuskulatur. Ist mal von Pelvic Floor die Rede, sind die Schließmuskelpressübungen des guten, alten Dr. Kegel aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gemeint.

Da ist „der Beckenboden“ noch nicht mal in Mode gekommen, also noch weit entfernt von veraltet. Sie können ihn mit Stolz und Gusto noch mindestens zwei Saisons tragen, und dann ist er auch Secondhand noch ganz passabel.

Vielleicht ist es bei uns aus der Mode gekommen, dass die Vorturnerin in jedem wollmausbeseelten Kellerstudio sagt, „und jetzt den Beckenboden anziehen“, und dazu doch nur zeigt, wie das Becken gekippt, die Hüftgelenke gestaucht, die Kreuzbeingelenke verschoben werden. Das schadet und schwächt die Knochen, Sehnen, Bänder, Muskeln. Und tut für den Beckenboden gar nichts.

Wenn dieses Aufsitzen auf einen fahrenden Zug, ohne den Weg oder das Ziel zu kennen, wenn das aus der Mode gekommen ist, das finde ich prima.

Zurück zur Party. „Aha, Sie machen dieses Beckenbodenzeug also noch?“ springt eine andere Frau auf den fahrenden Talk-Zug.

Ja, ich mache dieses Beckenbodenzeug noch. Weil meine Methode alle Muskeln am Körper trainiert, nicht nur die modischen. Und die Beckenmuskeln sind nun mal das Fundament für den ganzen Körper, sie sind das Fundament für eine gesunde Wirbelsäule, für reibungslos funktionierende Füsse und Knie und Hüftgelenke und … dazu mache ich, unsichtbar für die Außenstehenden, zwischen Vaginahinterwand und Levator-Ani-Hals kleine Achterbewegungen, das setzt mein Steissbein in klitzekleine Bewegungen, ich spüre, wie meine Beckenhälften in vertikale Schwingungen kommen und Wärme durch mein Knochenmark hoch steigt. Ich werde schwerelos. Ich denke: „Wenn ihr wüsstet, wie wunderbar dieses altmodische Beckenbodenzeug ist …“, hab’s heimlich lustig in der Hose und wechsle das Thema.

Sie möchten jetzt gerne wissen, wie das geht mit dem Levator Ani und dem achternden Steissbein und dem tanzenden Kreuzbein.

Für die zeitlose Rolex unter den Beckenbodentrainings müssen Sie halt schon investieren. Interesse. Zeit. Disziplin. Ein bisschen Geld fürs Studio oder die Privatlektion oder wenigstens für ein Buch. Und ein bisschen Köpfchen, das braucht es auch für die Wiederbelebung der Körperintelligenz. Ich hoffe, sie wenigstens komme nicht so schnell ganz aus der Mode, die Intelligenz an sich.

Krieg der Muskeln! Krieg der Muskeln?

23. April 2010

Auf www.dr-moosburger.at schreibt der Arzt Kurt A. Moosburger:

„hallo virginia,

vergiss das gerede um die “tiefenmuskulatur”. auch die muskeln “in der tiefe” sind gleich gut trainierbar wie die an der “oberfläche”. dazu braucht es kein “callanetics”, kein “cantienica” und auch kein “pilates”.

suche den thread “Die Sache mit der Tiefenmuskulatur” vom 04.02.02 und lies mal thomas markmanns posting dazu (und wenn du willst, auch meines ;-))

ich denke, ein paar saubere, langsam ausgeführte tiefe kniebeugen mit 40 kg auf den schultern lösen dein problem innerhalb kurzer zeit. und zwar weit besser als die oben von mir erwähnten mode-pseudotrainingsformen.

lg, kurt“

Moosburger hat Recht, die Tiefenmuskulatur ist genau so trainierbar wie die Oberflächenmuskulatur. Doch trainiert die Verpackung nicht automatisch den Inhalt. Ich kenne inzwischen tausende Frauen, die jahrelang in die Muckibude gingen und sich trotzdem Blasenschwäche und Organsenkungen einhandelten. Ich kenne hunderte von Männern, die trotz Krafttraining Leistenbrüche und Prostataveränderungen erleiden, Hämorrhoiden und Stuhlinkontinenzen, Arthrosen an Knien und Hüften und Schultern. Ich kenne tausende Menschen, die trotz Krafttraining Bandscheibenschäden, Ischiassyndrome, Hexenschüsse und Wirbelverletzungen erfahren.   Den Rest des Beitrags lesen »

Gebrauchsanweisung für den gesunden Rücken

17. November 2009

Die Ausfälle durch Beschwerden am Rücken kosten die Schweizer Wirtschaft über 4 Milliarden Franken. Im Jahr. 85 % aller erwachsenen Erwerbstätigen erkrankt mindestens einmal im Leben am Rücken. Bei 65 % werden die Zustände chronisch. Beeindruckende aktuelle Zahlen. Noch beeindruckender, wenn sie ins rechte Licht gerückt werden: 90 % aller Rückenbeschwerden beruhen auf einem Missverständnis. Sie entstehen, weil die Betroffenen die Gebrauchsanweisung für ihren Rücken nicht kennen.

Sichtweise 1: Jeder vierte Arbeitnehmer in der Schweiz leidet an Nacken- oder Rückenbeschwerden. Zu diesem Resultat kommen aktuelle Studien des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Die verminderte Produktivität und die häufigen Absenzen kosten die Wirtschaft 4 Milliarden Franken. Pro Jahr.

Jeder vierte. Das sind 670 000 Erwerbstätige. Die Menschen leiden, die Arbeit macht sie krank, die Wirtschaft verliert Geld. Das ist dramatisch! Die Arbeitgeber müssen die Arbeitsbedingungen verändern, verbessern. Den Rest des Beitrags lesen »

Also, ich geh hin!

7. Mai 2009

Liebe Leute. Ich mockiere mich ja oft über die “Schulmedizin”. Ein paar Sachen macht sie richtig gut. Zum Beispiel die Vorsorgeuntersuchungen. Also, bitte, geht hin.

Eine Bekannte ging nur alle 5 Jahre zur gynäkologischen Kontrolle. Nun hat sie einen richtig grossen Tumor auf der Brust. Eine andere Bekannte hatte sich der Schlankheit und den Abführmitteln verschrieben. Zur Voruntersuchung ging sie nie. Als sie endlich ging, waren die Polypen so ausgebreitet, dass ihr bis auf ein kleines Reststück der ganze Darm entfernt werden musste. Eine Klientin berichtet gerade eine ähnliche Geschichte. Den Rest des Beitrags lesen »

Von Menschen mit Stöcken

5. Mai 2009

Klick klick. Klick klick. Klick klick.
Das Klick wird schneller, forscher. Das Klick wird lauter. Es kommt näher.
“Entschuldigen Sie einen Moment.”
“Ja?”
Ich drehe mich leicht nach rechts, laufe weiter.
Eine Frau mit Stöcken. Sie hält an, ich halte an, sie zieht den rechten Sporthandschuh aus und reicht mir die Hand.
“Ich bin Frau Meier, ich wohne hier in Küsnacht.”
Name selbstverständlich geändert.
“Und Sie sind Frau Cantieni.”
“Stimmt.”
“Entschuldigen Sie, dass ich Sie hier im Wald überrumple, ich muss Sie etwas fragen.” Den Rest des Beitrags lesen »

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